"Der Schauer" 2019 ...

... ist gekürt:

Obwohl mit 27 noch recht jung an Jahren hat der niederbayerische Kabarettist

Martin Frank

schon namhafte Auszeichnungen erfahren, etwa 2018 den Bayerischen Kabarettpreis in der Kategorie „Senkrechtstarter“. Nun ist für den Shootingstar auf Burg Neuhaus eine Weitere dazugekommen, klein aber fein: Der Kulturpreis „Schauer 2019“. 

Es passte auf dem „grünen Hügel“ wieder alles zusammen: Ein höchst beeindruckender Preisträger und eine vortreffliche Laudatio durch den Jury-Vorsitzenden Theo Zellner, eingebettet in ein herrliches Naturambiente. Martin Frank erhielt den Schauer-Kulturpreis insbesondere in Anerkennung seines herausragenden Beitrags zu einer Kultur, die „kritisch“ macht und einer Kultur, die „lachen“ macht. Obwohl die Jury-Nominierung bereits vor einigen Monaten vorgenommen wurde, konnte entsprechend der bisherigen Gepflogenheit der Preisträger bis zum Ehrenabend geheim gehalten werden. 

Walter Reiser von der Laienbühne Schorndorf als Gastgeber hieß die vielen Ehrengäste sowie die „Burgherrin“ Thekla Schauer in Begleitung ihres Gatten Ludwig Oswald, Rally-Legende Walter Röhrl oder zahlreiche Bürgermeister aus dem Landkreis willkommen. Zehn der bisherigen Schauer-Preisträger zeigten sich anwesend: Toni Lauerer (2002), Walter Thanner (2003), Monika Raith und Georg Maier (beide 2006), Hans-Jürgen Buchner (2010), Norbert Neugirg (2011), Manfred Zollner (2013), „Bäff“ Josef Piendl (2014), Jürgen Kirner (2016) sowie aus dem Vorjahr Christian Maier (da Huawa), Matthias Meier (da Meier) und Sepp Haslinger (I). 

„Für uns ist das heute wieder ein ganz besonderer Abend“, so Reiser. Mit dem Kulturpreis beabsichtige die Laienbühne Schorndorf einerseits an den verstorbenen Neuhauser Burgbesitzer, Förderer und Freund Vinzenz Schauer zu erinnern. Zum anderen sollen mit dem "Schauer" Personen, Gruppen oder Institutionen geehrt werden, die schon lange Zeit im kulturellen Bereich wirken oder engagiert sind. Die Bezeichnung "Schauer" sei einfach, kurz sowie prägnant und verbindet mehrere Gedanken: Weitblick, nach vorne orientiert, aber immer im Einklang mit dem Althereingebrachten. Der Name "Schauer" passt außerdem ganz ausgezeichnet zum Image des zukunftsorientierten Landkreises Cham und dessen Logo "Beste Aussichten". Den Glaskünstlern Hubert Hödl und Theo Sellner gelang bzw. gelinge es bei den Anfertigungen in hervorragender Art und Weise, die Gedanken des Schauer-Kulturpreises, das Landkreislogo und die Landkreisfarben zum Ausdruck zu bringen. „Kein Schauer ist wie der andere, jeder bleibt für sich ein Unikat - genauso wie die alljährlichen Preisträger“, führte Reiser weiter aus. 

„Dieser heutige Abend ist auch für die Gemeinde Schorndorf eine besondere Ehre und Auszeichnung“, sagte Gemeindeoberhaupt und Kreisrat Max Schmaderer mit Blick auf die überwältigende Präsenz von hochkarätigen ehemaligen Preisträgern und Ehrengästen, „die Laienbühne ist ein großartiges Aushängeschild für die Kommune und macht uns mächtig stolz“. 

Der Schauer-Kulturpreis ist für viele Richtungen gedacht: Kultur, die "lachen" macht, Kultur, die "kritisch" macht, Kultur, die "Weitblick" macht, Kultur die "Werte" macht und Kultur, die "Miteinander" macht. Zur Jury gehören der bayerische BRK-Präsident Theo Zellner, das Laienbühne-Ehrenmitglied Inge Zellner, Landrat Franz Löffler, Andrea Löffler (Initiative "Bürger helfen Bürgern"), Dr. Bärbel Kleindorfer-Marx (Kulturreferentin), Petra Meindl (Tourismusreferentin), Thekla Schauer (Besitzerin Burg Neuhaus), Max Schmaderer (1. Bürgermeister Gemeinde Schorndorf) und Toni Lauerer als erster Schauer-Preisträger überhaupt. Neben dem Sponsoring durch die Sparkasse, die Bäckerei Hutterer und die Gärtnerei Iglhaut, hat der Landkreis für den Schauer-Kulturpreis die Patenschaft übernommen und so überreichte Landrat Franz Löffler an den Preisträger Martin Frank sowohl Urkunde als auch Glas-Ehrengabe. 

Martin Frank, der nach eigenen Aussagen sein technisches Talent bereits mit der Nabelschnur verloren hat und deshalb für die Hofnachfolge nicht in Frage kam, bedankte und freute sich sehr über die Auszeichnung und die schöne Laudatio und sorgte mit einigen Auszügen aus seinem aktuellen Soloprogramm „Es kommt wie’s kommt“ sofort für Lachsalven im Publikum. "Als ich am Morgen um halb 8 am Marienplatz in die U-Bahn einstieg und Grüß Gott miteinander sagte, brach Panik aus", erzählte Frank und erklärte: "Die dachten alle, ich bin der Fahrkartenkontrolleur." Ebenso nur zum Lachen etwa seine Schilderungen über die Besuche im Bad mit drei alten Schwimmnudeln im Strömungskanal, die „sexuelle Belästigung“ auf dem Friedhof beim Grabgießen um einen „Secret Code“ der Rentner aufgrund der Stellung der Gießkannendüse oder wenn er der Schauspieldozentin die Bedeutung von „Kuah kälbert“ erklärt („Unser Besamer wird Papa!“). Und auch eine Opernarie durfte zum Abschluss nicht fehlen, obwohl es beim Vorsingen für die Musikhochschule am Mozarteum in Salzburg trotz der Unterstützung der Oma nicht gereicht hat. Die Oma will Martin Frank künftig auch auf die Burg Neuhaus mitbringen, nachdem ihm Laienbühne-Vorstand Säp Kiesl erklärt hat, dass er als Schauer-Preisträger künftig vor Ort immer „Zechfrei“ sein wird. 

Auszüge aus der Laudatio von Theo Zellner

„Es gibt Künstler, die müssen sich bei ihren Auftritten erst einmal wortreich erklärend einführen“, so Zellner, „dann dauert’s, bis der Funke zum Publikum überspringt“. Und es gäbe auch solche, „die schon gewonnen haben, bevor sie überhaupt einen Satz g’sagt hab’n“. Um einen solchen Preisträger würde es heute Abend auf Burg Neuhaus gehen. Mimik und Gestik mit einzelnen Wortakzenten treffend einsetzend, Mitgefühl oder Heiterkeit erregend, bevor es überhaupt richtig losgehe. Bei uns würde man sagen: „A G’schau, als ob eam d’Henna s’Brot gnumma hätt’n“. Wohl gesetzte Sekundenpausen als Ausrufe- oder Fragezeichen, die Pausen als Stilmittel nach einem einzigen Wort oder Satzfetzen. An einigen Beispielen aus seinen Programmen zeigte Zellner auf, wie der Preisträger, manchmal in Liedform, seine Texte mitten aus unserer Erfahrungswelt greift. „Das Autobiografische, das eigene Lebensumfeld in Hutthurm, hier im Bayerischen Wald, wo er sich auf dem Bauernhof zu Hause immer noch viel aufhält, bringt es mit sich, dass er mit seinem ganz eigenen Blick für die Details, die manchmal so wichtigen Nebensächlichkeiten um ihn herum, jetzt schon in jungen Jahren einen unverwechselbaren Stil in der wahrlich nicht armen Kabarettlandschaft gefunden hat“. Das Leben auf dem Land und auch in der Stadt, wo alles ein bisschen anders ist, dieses Bodenständige dem Fremden entgegenzusetzen, „das zieht sich bei ihm durch“. Beispiel Wohnungssuche in München, 25 Quadratmeter, alles renovierungsbedürftig, aber 1000 Euro Miete. Martin Franks Vergleich: „25 Quadratmeter, dazu sagt man in Niederbayern Windfang“. Dies seien die Momente, so Zellner, „wo wir uns als Waidler so herrlich mit ihm identifizieren können – da hat es wieder einer von uns ins Rampenlicht geschafft“. Das „Andersdenken“ treibe Martin Frank auf die Spitze, „wenn er seine Lieblingsfigur, seine Oma, ins Spiel bringt“. Weitere Verweise auf Franks Bühnenprogramm fasste Zellner wie folgt zusammen: „Was für ein Schalk – was für ein unverbrauchter Humor“. Sage und schreibe acht Publikumspreise habe Martin Frank schon erhalten, „für mich deshalb am wertvollsten, weil ihn sein Publikum dorthin applaudiert hat“. Und so fasste Zellner die Begründung der Schauer-Jury für Martin Frank wie folgt zusammen: „Ein bayerischer Kabarettist mit unbändiger Spielfreude, die spontan und unverkrampft das Publikum begeistert“.

 

(Texte und Bilder, Redaktionsbüro Schmidbauer)

Kulturelles Rahmenprogramm ...

... von und mit Josef "Bäff" Piendl

Lachen und Amüsieren garantiert waren beim stimmungsvollen Auftritt von „Bäff“ Josef Piendl, der heuer im Anschluss der Schauer-Preisverleihung an den Kabarettisten Martin Frank den Part für das Rahmenprogramm übernommen hat. 

Mit einigen neuen Liedern und vielen neuen Sprüchen hat „Bäff“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er 2014 völlig zu Recht selbst mit dem Kulturpreis „Schauer“ ausgezeichnet worden ist. Mit dem ersten Lied wussten gleich alle, warum er an diesem Abend auf der Bühne stand: „Waal i Depp net naa song ko“. Nach Beispielen wie Kuah/Kou bzw. Schuah/Schou stellte der Humorist und Liederschreiber aus Trasching in Bezug auf den neuen Schauerpreisträger Martin Frank aus Hutthurm mit dem Stück „Mou net saa“ die unterschiedliche Dialektbetonung zwischen Niederbayern und der Oberpfalz heraus. Voll im Element zeigte sich „Beautiful (B), äntzückend (ä), friedlich (f) und fromm (f) auch beim Lied „I hob ins Handy gschaut“, kann doch dabei so manches schiefgehen, etwa in der Sauna. Beim Schwitzen per Smartphone der Frau teuren Ring, Porsche und Eigentumswohnung zuzusagen ist kein Problem, wenn das „herrenlose Handy“ einem gar nicht selber gehört. Auch flotte Sprüche und freche Witz kamen nicht zu kurz, wobei der „Bäffi-Boy“ zum Leidwesen von Franz Löffler durchaus Schlagfertigkeit bewies: „Herr Landrat wissen Sie was a Grischbal is?“. Dieser zuckt die Schultern. Antwort: „Des Gegenteil von eahrna“. 

Sehr amüsant, wenn bei Josef Piendl daheim dicke Luft mit „Verlag Vroni“ herrscht. Und welcher Zusammenhang zwischen einer Spardose auf dem Nachtkästchen und dem Weihnachtsgeschenk für die Ehefrau besteht, ist dem Schauer-Publikum jetzt auch klar. Dann wieder Lieder wie „Misch di net ei“, wonach es besser sei sich immer rauszuhalten, wenn es Probleme geben könnte. Josef Piendl steht ebenso für humorvolle Witzgedichte und „Geschichtn“. Fünf „Hoibe Bier“ können ein riesigen Unterschied ausmachen. In der „Stodt“ zählt man da zu den Alkoholikern, auf dem Land bedeutet es: „Du machst heute den Fahrer“. Dem „Bäff“ ist es aber in seinem Programm immer wichtig, zumindest einmal den leisen oder hintersinnigen Ton anzuschlagen, was ihm mit „I bin a Dorfkind“ bzw. „Do lou i mein Freind net im Stich“ eindrucksvoll gelang. Richtung Ende dann wieder der Wechsel zum humorvollen Beitrag mit seinem „Bewerbungslied“ für den Eurovision Song Contest. Denn wenn eine Conchita Wurst für Österreich gewinnt, ist für Josef Piendl klar: „Des kon i aa“. Im entsprechenden Outfit und äußerst „ausdrucksstark“ was etwa Hüftschwünge angeht, sorgte das Lied „Rio de Janeiro“ für einen Stimmungshöhepunkt. 

„Wos is denn des, des is ja gor nix“, der vorletzte Liedbeitrag lag dann im klaren Widerspruch zum tollen Auftritt von Josef Piendl, war doch die Stimmung von der ersten bis zur letzten Minute super. „Sodala hammas wieda“ beendete seine perfekte Inszenierung mit einem wunderbaren Abend des „Frohsinns und des Lachens“ auf dem Neuhauser Burgareal. 

„Wir haben gerade eindrucksvoll erlebt, warum du als einer von uns zur namhaften Riege der Schauer-Preisträger gehörst“, so Laienbühne-Vorstand Säp Kiesl an die Adresse von „Bäff“ Josef Piendl zu dessen Auftritt und zur super Stimmung in den Reihen. Abschließend holte Kiesl noch den diesjährigen Schauer-Preisträger Martin Frank sowie dessen „Brettl-Spitzen-Förderer“ Jürgen Kirner mit auf die Bühne und zur Freude aller, schmetterte Martin Frank als „abschließende Zugabe“ eine Arie ins Publikum. 

(Texte und Bilder, Redaktionsbüro Schmidbauer)